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24.01.2012

Von: HR

Nokia Siemens Networks: Scharfe Kritik der Beschäftigten

Zur Hauptversammlung der Siemens AG demonstrierten am Dienstag in München wie angekündigt rund 500 Beschäftigte von Nokia Siemens Networks (NSN) und Osram gegen den Arbeitsplatzabbau in ihren Unternehmen. Die nachdrückliche Forderung an Siemens: Das Unternehmen muss Verantwortung für die Beschäftigten der Töchter übernehmen und sich proaktiv einmischen.

Treffen vor der Olympia-Halle

Rund 500 Beschäftigte in München

Klare Worte

Klare Worte

Jürgen Kerner

Jürgen Kerner

Georg Nassauer

Georg Nassauer

Pünktlich um neun begann die Kundgebung an der Münchner Olympia-Halle, während einige Meter weiter die Siemens-Aktionäre sich vor den Zugängen stauten und gleichzeitig die Zahlen zum ersten Quartal 2012 den Kurs sacken ließen. Den Demonstranten, die sich bei Schnee und Kälte versammelten, ging es allerdings um etwas ganz anderes.

Mit den Menschen statt gegen sie

Jürgen Kerner, früher selbst Siemensianer, als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall mit Siemens-Belangen betraut und nach der heutigen Vollversammlung Aufsichtsratsmitglied der Siemens AG, brachte unter dem Applaus der Demonstranten auf den Punkt, was die Arbeitnehmerseite einfordert: "Wir haben nichts gegen Veränderungen Aber wir wollen, dass diese Veränderungen mit den Menschen stattfinden, nicht gegen sie."

"Mit dem Job total überfordert"

Georg Nassauer, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von NSN, fand treffende Worte dafür, wo die Ursache der aktuellen Misere und damit auch der Abbaupläne zu suchen ist: "Was haben der Kapitän eines kürzlich gestrandeten Kreuzfahrtschiffs, der Bundespräsident und der CEO von NSN gemeinsam? Alle drei sind mit ihrem Job total überfordert." Der Bundespräsident kann bekanntlich nicht gefeuert werden, sondern nur zurücktreten; dem Kapitän wird wohl die Lizenz entzogen, so Nassauer weiter, und: "Wir alle hoffen, dass auch dem CEO von NSN die Lizenz zum Führen eines Kommunikationsunternehmens entzogen wird. Er kann von der Brücke gleich noch ein paar Offiziere mitnehmen."

Siemens muss handeln, statt wegzusehen

Den Siemens-Vorstand, als Eigner der Hälfte von NSN entsprechend im Aufsichtsrat vertreten, nehmen die Beschäftigten dazu in die Pflicht: "Wir wollen, dass Siemens hier nicht mehr wegsieht, sondern handelt. Siemens ist gefordert und muss endlich finanziell und personell Verantwortung übernehmen."

Nassauer erinnerte an die Bedeutung der Kommunikationstechnik für Siemens' Unternehmensgeschichte; heute jedoch droht NSN mit den neuesten Plänen praktisch die Halbierung der ursprünglichen Belegschaft. Währenddessen haben sich die Beschäftigtenzahlen in China verdoppelt und in Indien verdreifacht, das Ergebnis aber brach dramatisch ein. Nassauers Fazit, das man auch bei Siemens nicht überhören kann: "Wir sind nicht für einen Börsengang aus eigener Kraft eingetreten, um auf Rajeevs Reste-Rampe zu landen."

Osram: Erst weggehört, dann abgebaut

Ähnliche Kritik äußerte Willi Sattler, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Osram AG. Bei Osram fordern die Arbeitnehmer seit Jahren, in den deutschen Traditionsstandorten in neue Technologien zu inverstieren. Dass der Markt sich weg von konventionellen Leuchtmitteln hin zu LED entwickelt, ist alles andere als eine Überraschung - das Management allerdings zögerte und zauderte so lange, dass die Reaktion auf diesen Wandel nun plötzlich nur noch auf Kosten der Belegschaften möglich sein soll.


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