22.08.2016
Keine Einigung bei Bosch Rexroth in Lohr

In Lohr wurde die Belegschaft der Bosch Rexroth-Gießerei am Montag darüber informiert, dass auch vor der Einigungsstelle kein Kompromiss zu den Plänen des Unternehmens für massive Einschnitte erzielt werden konnte. Wie die IG Metall Aschaffenburg mitteilte, ist damit auch der letzte Versuch einer Einigung gescheitert.

Aktionstag in Lohr im Juni 2016.

Wie berichtet plant das Unternehmen seit Mitte 2015 unter anderem, in der Lohrer Gießerei bis Ende 2018 145 Arbeitsplätze abzubauen. Außerdem soll die Verlagerung der Kernmacherei als zentralem Element des Standorts von derzeit ca. 30 auf 75 Prozent ausgeweitet werden, was Auswirkungen auf praktisch die gesamte Gießerei erwarten lässt.

Intensive, ausführliche Gespräche und Verhandlungen führtne ebenso wenig zu einer Lösung wie die Analyse durch eine vom Betriebsrat beauftragte externe Beratungsfirma, die das Fehlen eines klaren Geschäftsmodells und einer Übersicht über die Kostenstruktur bemängelte. Betriebsrat und IG Metall erarbeiteten mit Unterstützung der Berater ein eigenes Konzept, das zur gleichen Ergebnisverbesserung geführt hätte wie das des Arbeitgebers.

Im Juni erklärte Bosch Rexroth die Verhandlungen für gescheitert und rief die Einigungsstelle unter einem neutralen Vorsitzenden an. In zwei Verhandlungsrunden versuchte dieser, die Parteien zu einer einvernehmlichen Lösung zu bringen - vergeblich, wie die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Aschaffenburg Birgit Adam erklärt: "Wir hatten in den letzten Monaten immer mal wieder den Eindruck gewonnen, dass der Arbeitgeber keine Lösung will. Allerdings wurden zahlreiche Gespräche geführt. Dabei zeichnete sich sowohl über die Höhe der Verlagerung als auch über die Anzahl der verbleibenden Maschinen eine Lösung ab. Einem schweren Kompromiss mit einer Verlagerung von bis zu 48 Prozent und einem Verbleib von 15 aktiven Maschinen, wie es besprochen war, hätte der Betriebsrat zustimmen können. Ebenso wurde mehrmals eine Aussage über das zukünftige Geschäftsmodell in Aussicht gestellt. Im letzten Termin teilte dann der Arbeitgeber plötzlich mit, dass er nur 10 produzierende Maschinen in der Kernmacherei halten will. Außerdem sollte das Thema Zukunftskonzept nicht mehr Gegenstand einer Einigung sein. Das war ein Schlag ins Gesicht der Interessenvertretung und der Beschäftigten."

Adams Fazit: "Auch ein Einigungsstellenvorsitzender tut sich schwer, die Parteien zu einen, wenn eine Seite eigentlich nicht will." am Ende wurde mit den Stimmen der Arbeitgeberseite der Antrag angenommen, dass die Verhandlungen gescheitert sind; nun kann dieser nach den gesetzlichen Regelungen sein Konzept durchsetzen, also ohne Zustimmung des Betriebsrates 75 Prozent der Kernmacherei verlagern und 145 Arbeitsplätze abbauen. Dabei gilt der bereits abgeschlossene Sozialplan, der unter anderem sozialverträglichen Abbau über Aufhebungsverträge und natürliche Fluktuation vorsieht.

Auf der Kehrseite gibt es an diesem Punkt keine Zugeständnisse des Betriebsrates zu den Forderungen des Arbeitgebers beispielsweise nach flexiblen Schichtmodellen, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Peter Urlaub: "Bei diesen Themen ist jegliches Entgegenkommen des Betriebsrats nach den geplatzten Verhandlungen vom Tisch. Der Arbeitgeber kann jetzt um jede einzelne Vereinbarung ringen. Wenn er bei diesen Themen noch etwas will, dann fangen wir von Null an."

Adam stellt nach dem langen Konflikt bei vielen Beschäftigten bereits einen inneren Abschied von Bosch Rexroth. Das Unternehmen hat unverkennbar den oft betonten Arbeitnehmerdialog einseitig aufgekündigt: "Wir hätten gerne einen Kompromiss gefunden für die Verlagerungen, den Arbeitsplatzabbau und die ganzen sonstigen Themen. Wenn die andere Seite aber nicht will, so geht es nicht." Dennoch war der Kampf der Beschäftigten einschließlich zweier großer gemeinsamer Aktionstage mit vielen anderen Standorten nicht vergebens. Die Gießerei und ihre Problematik mit mitsamt der Fehler einiger Verantwortlicher ist zu einem wichtigen Thema im Aufsichtsrat geworden und wird es auch bleiben. Die Forderung nach einem tragfähigen Zukunftskonzept besteht ebenso unverändert weiter wie das Ringen um die Zukunft der Gießerei, so Adam: "Wir wollen auch über 2018 hinaus eine Gießerei in Lohr haben, die eine wichtige Rolle spielt. Die aus unserer Sicht falschen Entscheidungen des Arbeitgebers sollen bis Ende 2018 umgesetzt werden. Wer weiß schon, was auf diesem Weg noch alles passiert."

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gedruckt am 16.06.2019 / IG Metall Ingolstadt